Nur Qualität auf dem Tisch

Gutes Essen ist Anna Klein sehr wichtig. Gut im Sinne von hochwertig, von gesund, von naturbelassen. Dass sich bei ihr einst alles nur ums Essen drehte, sie über jeden Bissen nachgedacht hat, so dass es bereits krankhaft war, ist zwar ein schweres Kapitel in ihrem Leben, aber die Essstörung hat die Verkäuferin sensibel gemacht für den Wert guter Nahrungsmittel. Und so seltsam es klingt: davon profitieren heute die Kunden des echten Bäckers.

Faible für gesunde Ernährung

Seit September letzten Jahres arbeitet Anna Klein als Verkäuferin in der Bäckerei Huth. Meist im „Café 364“ im Limburger Bahnhof. Die junge Frau gibt aber nicht nur Brot oder Kuchen über die Theke, dekoriert die Auslage oder kassiert, sie berät die Kunden auch, wo sie kann, erläutert, dass in Backstube und Konditorei alles von Hand gefertigt wird, und keine Chemie in den Teig wandert. „Ich achte selber sehr darauf, was ich esse und was im Essen drin ist“, merkt sie an. Das Faible für gesunde Ernährung „kommt teils von meiner Familie: Meine Oma ist Gesundheitsberaterin, meine Tante Filialleiterin in einem Reformhaus.“ Anna Klein ist also von Haus aus sensibilisiert für „gute Nahrung“ und hat sich zudem entsprechend weitergebildet. Nach der Schule wurde sie zwar zunächst Fremdsprachenassistentin, bekam aber von jetzt auf gleich die Kündigung. Sie zog von Hünfelden nach Limburg, machte dort eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau und qualifizierte sich nebenbei zur Reformhausfachberaterin. Ihre Aufgaben in jener Phase waren unter anderem, die Kunden über Lebensmittel-Qualität, Naturkosmetik oder verschiedene Ernährungsweisen zu informieren.

„Damals war ich nur darauf fixiert, abzunehmen“

Heute geht die 29-Jährige sehr reflektiert mit dem Thema Ernährung um, sie weiß, was ihrem Körper guttut und sagt schlaue Sätze wie: „Essen ist da, um gesund zu sein. Abwechslung auf dem Speiseplan ist sehr wichtig.“ Doch es hat auch andere Zeiten gegeben. „Ich habe mal zehn Kilo weniger gewogen als jetzt“, erinnert sie sich. „Damals war ich nur darauf fixiert, abzunehmen, habe nur Obst und Gemüse gegessen, immer weniger gewogen.“ Der Grund seien ein falsches Schönheitsideal und ein zu geringes Selbstbewusstsein gewesen. „Meine Familie hat mir geholfen, da wieder herauszukommen“, erzählt Anna Klein dankbar. Zwar achte sie immer noch auf ihr Äußeres, aber die allzu kritische und ungnädige Art der Selbstbetrachtung hat sie abgelegt.

„Ich verkaufe die Produkte mit gutem Gewissen“

Mittlerweile hat sie aus der Schwäche eine Stärke gemacht: denn sensibel ist sie nach wie vor, wenn es darum geht, was auf dem Tisch landet. Doch inzwischen ist es ihr wichtiger, gesund und ausgewogen zu essen, viele Nährstoffe aufzunehmen, dem Körper etwas Gutes zu tun, anstatt ihn zu geißeln. Sie setzt auf Qualität. „Bei mir gibt es nur noch gute Lebensmittel, die selbst gemacht werden.“ Der neue Job in der Bäckerei Huth ist der 29-Jährigen demnach wie auf den Leib geschnitten. „Ich freue mich richtig, mit diesen handwerklich toll gemachten Lebensmitteln umgehen zu können.“ An ihrem Arbeitgeber schätzt sie genau das: „Hier werden keine Fertigbackmischungen verarbeitet, hier wird nichts auf die Schnelle produziert. Hier hat alles seine Zeit“, weiß sie. „Ob ,Bio-Ährengold‘ oder ,Bio-Steinofenbrot‘, das ist beste Qualität! Ich verkaufe die Produkte mit gutem Gewissen, und das ist mir sehr wichtig.“

Dass sie die Stelle bei Huth überhaupt innehat, hat sie zum Teil ihrer Mutter zu verdanken, die der Tochter eines Tages ein Kärtchen mitbrachte, das in einem der Fachgeschäfte des echten Bäckers ausgelegen hatte. Darauf war zu lesen, dass der Traditionsbetrieb eine Verkäuferin suche. Anna Klein, seinerzeit schon selbst überzeugte Huth-Kundin, bewarb sich und wurde zum Probearbeiten eingeladen. Nach drei Tagen des gegenseitigen Beschnupperns war für beide Seiten klar: Klein fängt im Betrieb an.

„Der Umgang mit Menschen ist mir sehr wichtig“

Ihr beruflicher Werdegang war nicht ganz geradlinig. Eigentlich wollte sie Psychologie studieren, gab diesen Plan aber auf. Neben der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und der Arbeit als Fremdsprachenassistentin gab es etliche Stellen. „Ich habe ebenso schon bei anderen Bäckern, in der Kaffeerösterei und im Cateringbereich gearbeitet“, erzählt die 29-Jährige. Eine weitere Erfahrung hat sie durch ihre vielen Jobs für sich selbst ebenfalls gemacht: Der Umgang mit Menschen ist ihr sehr wichtig. Mit ein Grund, warum sie sich im Verkauf im „Café 364“ so richtig wohlfühlt. „Im Büro zu sitzen, hinter einem Schreibtisch, würde mir schwerfallen. Ich brauche den Kontakt mit den Kunden.“ Mit denen teilt sie gern ihre Hingabe für hochwertige Lebensmittel, berät, wo sie kann, erläutert zum Beispiel, dass das Huth‘sche „Dinkel-Chia-Brot“ durch die wertvollen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, viele Ballaststoffe, Vitamine und natürliche Antioxidantien super gesund ist oder dass durch besonders schonendes und langsames Backen die Nährstoffe im Brot erhalten bleiben.

„Hier hat man das Gefühl, dass man wichtig ist“

Und Anna Klein klärt auch auf: „Ich bin selbst in eine Krankheit gerutscht und froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. So etwas sensibilisiert unheimlich. Ich esse jetzt sehr bewusst und kann Leute beraten, die Probleme haben oder mehr über Ernährung wissen möchten.“ Als Beispiel nennt sie eine Begebenheit, die sich erst neulich im „Café 364“ zugetragen habe: „Ein Kunde hat sich bei uns einen Kaffee geholt und dann ein Teilchen aus einem Backautomaten ausgepackt. Ich habe ihm erstmal erklärt, was da alles drin ist und ihm einen Kreppel gegeben, zum Probieren. Umsonst natürlich. Davon war er sehr überzeugt“, schmunzelt sie. Kein Wunder, dass Klein glaubt, dass die Arbeit zu ihr passt. Dazu trägt außerdem der Führungsstil von Dominique und Sascha Huth bei: „Hier wird einem das Gefühl gegeben, dass man wichtig ist. Das ist mehr wert als Geld.“ Wenn sie sich im Unternehmen umblicke und sehe, dass „Leute teilweise schon 20 Jahre hier arbeiten“, sei sie froh, den Job zu haben. Ein Familienunternehmen sei schon etwas Tolles: „Zu den Chefs hat man eine gewisse Nähe, man ist hier keine Nummer.“

„Ich spare gerade auf ein Auto“, berichtet Anna Klein. Die junge Frau will für ihren Arbeitgeber flexibler sein, kann mit einem Auto in mehreren Fachgeschäften eingesetzt werden, wenn es mal krankheitsbedingte Ausfälle gibt. In ihrer Freizeit kommt sie bis jetzt noch ganz gut ohne Auto zurecht, ist stattdessen mit ihrer neunjährigen Golden-Retriever-Hündin Amelie viel an der frischen Luft. „Amelie ist mein Ein und Alles“, schwärmt Klein. „Und der perfekte Ausgleich.“ Genauso wie das Lesen. Dann ist Anna Klein in ihrer 45-Quadratmeter-Wohnung glücklich und weiß, sie hat die richtige Job-Wahl getroffen.

 
 
 

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